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Tipps vom Physiocoach Meike

Tragekinder im Tuch und in der Babytrage

Meine Tipps aus physiotherapeutischer Sicht zum Tragen!

Seit einem Jahr bin ich nun für die Firma BabyOne als Kinder-Physiotherapeutin bei Facebook-Chats als Expertin tätig und wöchentlich erscheint ein neuer Beitrag von mir hier in der Community.
Unter „PhysioTipps von Meike“ schreibe ich Tipps zur Motorikentwicklung und Wahrnehmungsförderung von Kindern. Zusätzlich arbeite ich selbstständig und berate Eltern zum Thema „Handling“ (www.fit4handling.de) und biete dazu eine Trageberatung an.

Auf der BabyOne – Website gibt es schon viele, gute Tipps und Ratgeber zum Thema Babytragen . Lies dich vielleicht hier erstmal ein, damit du die wichtigsten Dinge über das Tragen vorweg schon mal weißt.

Heute möchte ich dir aus meiner physiotherapeutischen Sicht ein paar weitere, neue Informationen zum „Thema Tragekinder“ geben. Denn das „richtige“ Tragen ist meiner Meinung nach eine gegenseitige Bereicherung – für das Baby und den Tragenden und fördert die Gesamtentwicklung deines Babys!

Selten gibt es Babys, die das Tragen eher mit Unbehagen und / oder mit Tränen signalisieren. Meist liegt das jedoch anfänglich an der Unsicherheit in der Handhabung der Tragenden. Schnell projektiert sich das auf ein Kind! Eine professionelle Trageberatung empfehle ich daher sehr. Du wirst individuell angeleitet, du lernt verschiedenste Tragemöglichkeiten und Tricks kennen und kannst „deine Favoriten“ gleich ausprobieren.

Die meisten Trageberaterinnen sind sich einig, dass ein Tuch (elastisch oder fest-gewebt) am optimalsten an die Körper fest angepasst werden können. Dies ist wichtig für eine korrekte Position und bedarf einiger Übung. Das unkompliziertere Einstellen einer Babytrage dagegen erscheint für viele einfacher und auch für unterwegs praktikabler!!

Hier einige Beispiele meiner Trageempfehlungen:

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Elastisches Tragetuch ist ein Trage-Tipp für den Start! Schmusen oder auch gelockert im Sitzen Stillen (s. Bild) möglich. Sehr empfehlenswert bei Frühchen, unruhigen und ängstlichen Babys (gute Körper- und Sinneswahrnehmung). Wegen Elastizität bis max. 10kg praktikabel.

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Gewebtes, festes (meist 4,60m) Tuch hier vor dem Bauch getragen, in meiner Lieblings – Bindetechnik für vorne „der Wickelkreuztrage“, Bindetechnik für die Seite „Hüftschlinge“ leicht erlernbar für das Sitzalter, Tragen auf dem Rücken möglichst auch erst ab Sitzalter

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RingSling auf der Seite (= kurzes ca. 2m Tragetuch mit zwei Ringen an einem Ende), schnell praktikabel für kurze Wege, bitte erst ab Sitzalter, entlastet das mühselige Schleppen eines größeren Kindes auf dem Arm.

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Mei Tai: Hüft- und Schulterträger nur zum Knoten (ohne Schnallen!), die tuchähnlichste Trage, schnell erlernbar, sehr gute Variante wenn beide Eltern (unterschiedlichster Konstitutionen) tragen wollen!

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Komforttrage (Full- oder Halfbuckle), bietet je nach Modell gute Einstellungen, bequeme Polsterungen an Schulterträgern und Hüftgurt, gut bei längeren Ausflügen (schnelles Anlegen/Ablegen)

Meiner Meinung nach solltest du dies beim Kauf zusätzlich berücksichtigen:
  • Wie lange möchte ich tragen und in welcher Jahreszeit am längsten? Tragen gibt es in unterschiedlichen Größen & die Stoffe und Polsterungen sind unterschiedlich wärmend wie Kleidungsstücke!
  • Wo trage ich mein Baby überwiegend? Zuhause oder auch unterwegs? Für Zuhause klappt es mit einem Tuch meist besser und ist optimaler für die korrekte Position.
  • Trage ich unser Baby alleine oder auch mein Partner? Bei manchen Tragen ist das Umstellen der Schnallen für den Partner nervig – hier empfehle ich meist einen Mei Tai oder eine Halfbuckle-Trage.
  • Habe ich körperliche Beschwerden (Rücken-, Halswirbelsäulen-, Schulterprobleme, Kaiserschnittwunde,...)? Eine individuelle Anpassung an deinen Körper durch eine erfahrene Trageberaterin ist dann ratsam!
Befrage bitte dazu deine Trageberaterin und informiere dich vorher zu diesem Thema. So könnt ihr schneller mit dem praktischen Teil beginnen!

Meine physiotherapeutischen Ratschläge zum Thema „Tragen“:

  • Bitte nicht so früh anfangen mit dem Tragen! Obwohl viele Hersteller eine Empfehlung „ab Geburt“ ausschreiben, sollte möglichst erst das Wochenbett eingehalten werden und eine allmähliche Kopfkontrolle da sein!
  • Ich berate frühestens mit 5-6 Wochen, also nach der U3, damit zu starten. Die Hüfte sollte vorab mit einem Ultraschallgerät gecheckt sein. Die Hüftgelenksanlage ist nämlich noch bis zum 4. Lebensmonat unreif ausgebildet. Das Tragen bietet eigentlich eine ideale „Anhock-Spreiz-Position“ für die weitere Reifung, in der sich der Oberschenkelkopf optimal in die Hüftpfanne orientieren kann. Bitte erfrage hierzu die Meinung eures zuständigen Kinderarztes zum Tragen!
  • Eine korrekte Bindeweise ist ein Muss für die Wirbelsäule! Dein Baby sollte nicht sitzen und möglichst fest gebunden fixiert sein. Dein Baby verlangt nach seiner gewollten Beugehaltung. Eine Stauchung durch einen gestreckt-fixierten Rücken ist daher nicht wünschenswert. Kontrolliere dafür am Ende des Anlegens die sogenannte „M“-Position der Beine (Popo muss tiefer sein als die Kniee, Hüftbeuge mehr als 90Grad / Hüftspreizung 30-45Grad). Prüfe dies am besten seitlich vor einem Spiegel.
  • Der Kopf des Babys sollte im Schlaf stets mit einer Stütze (bis zu den Ohren) fixiert sein. Erst mit guter Kopfkontrolle kann es im wachen Moment den Kopf frei halten. Meist legen sie ihr Köpfchen dann auf der Brust vom Träger ab.
  • „Getragenwerden“ ist ein Grundbedürfnis im Säuglingsalter. Erst braucht dein Neugeborenes die Lagerung in der Rückenlage (gerundet in einem Nestchen) und beginne dann allmählich mit deinem Tragling seine Sinneswahrnehmung über das Fremdbewegtwerden zu fördern. Tragen bietet deinem Kind sowohl taktile, tiefenwahrnehmende und gleichgewichtsfördernde Stimulationen.
Eure innige Bindung wird durch das Tragen optimal verstärkt!
  • Dauer des täglichen Tragens hängt individuell von deinen körperlichen Bedingungen, deiner Ausdauer und deiner Zeit ab. Empfehlenswert sind über den Tag verteilt ca. 1-3 Stunden oder auch mehr – tagesformabhängig! Du selbst musst entscheiden, bis zu welchem Alter deines Kindes du es tragen möchtest. Achte bitte auf deinen Körper! Alles ist noch auf „weich“ gestellt nach einer Geburt (Beckenboden! Bänder allgemein!). Die Unterstützung vom Papa oder von Verwandten ist ratsam!
  • Das korrekte Tragen hat eine positive Wirkung auf:
  1. die Muskelspannung (passt sich den Ansprüchen an: entspannt in der Beugung, kann aber auch aktivierend sein im wachen Moment)
  2. die Atem- und Herzfrequenz (vertieftes Atmen und wirkt vital beruhigend)
  3. erhöhte Temperatur - natürlich nur zu Hause anzuwenden - (= fiebersenkende Unterstützung bei beiderseitigem Haut-Hautkontakt, also mit wenig Bekleidung!!)
  4. Asymmetrien z. B. beim Schiefhals und Schädeldeformitäten (beim Tragen kannst du dein Baby in der gewünschten Position entgegen seiner Lieblingsseite zum Ausgleich fixieren)
  5. einen Reflux (durch die aufgerichtete Position weniger Aufstoßen und Spucken)
  6. Entzündungen des Mittelohres (durch senkrechte Kopfstellung weniger Schmerzen als in der Rücken- oder Seitenlage, Entzündung fließt besser ab) 
  • Bei behinderten Kindern ist durch diese innigen Tragemomente ein „emotionaler Schutz“ gegeben. In der ersten Zeit finden viele Eltern so ihre innere Stabilität (Aura) für diese besondere Situation.

Das könnte interessant für dich sein:
  • Zuletzt noch meine Buchempfehlung zum Thema „Tragen“: „Ein Baby will getragen sein“ (Kösel Verlag)
  • Schaue auch vorbei bei den Trageberatungs-Facebook-Chats von BabyOne mit Diana & Frauke (Trageschule Hamburg)

Kursangebote mit deinem Baby - Das solltest du dir überlegen:
Meiner Meinung nach sind Kurse für Mütter mit Baby in einer Tragehilfe kritisch zu betrachten!
Hierbei erscheint mir die Fitness der Mutter im Vordergrund zu stehen und nicht die Motorikförderung des Kindes.
Auf jeden Fall muss die Bindeweise kontrolliert werden und annähernd „perfekt“ sein, so dass das Baby nicht belastet und gestaucht wird durch die vermehrten, schnellen Bewegungen der Trägerin. Die Kursleiterin sollte eine ausgebildete Trageberaterin sein (was leider nicht immer der Fall ist!).
Den Babys reichen die Eindrücke des „normalen Lebens“ zu Hause und später aus Spiel - und Krabbelgruppen. Sie brauchen bestimmt kein anregendes Fitnessprogramm mit Mami zur Musik in einer Gruppenatmosphäre. Die Kleinen genießen die sanften Bewegungsimpulse in einer Trage im normalen Gang / Spaziergang durch den Träger – am liebsten im gewohnten Umfeld oder in der Natur.
Zusätzlicher Stress und Hektik kann, durch die Ausschüttung vom Stresshormon Cortisol, die Gehirnentwicklung beeinträchtigen. Nachsinnen und neue Reize verarbeiten können sie besser in Ruhe mit sich und „einer“ entspannten Mami !!
Als Physiotherapeutin empfehle ich den Müttern einen Rückbildungskurs durch eine Hebamme zu belegen. Ohne zusätzliche Belastung des eigenen Kindes in einer Trage, werden die Mamis nach der Geburt mit gezielten, kräftigenden Übungen für den Beckenboden und den ganzen Körper durch eine Fachfrau (samt Hausaufgabenprogramm) angeleitet und wieder fit gemacht!
Doch welche Kursangebote Sinn machen und was einem gefällt, entscheidet natürlich jeder selbst für sich ☺

Ich wünsche dir ein zufriedenes, entspanntes Baby beim Tragen, deine Meike


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3 Kommentare
2019-01-14T12:35:50Z
  • Montag, 14.01.2019 um 13:35 Uhr
Der Artikel ist eine tolle Einführung in das Thema. Danke dafür!
2019-01-16T15:24:35Z
  • Mittwoch, 16.01.2019 um 16:24 Uhr
Der Beitrag ist super informativ, Dankeschön liebe Meike!
2019-01-16T17:16:10Z
  • Mittwoch, 16.01.2019 um 18:16 Uhr
Sehr guter Text mit allen wichtigen Informationen.

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