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Tipps vom Physiocoach Meike

Physiotherapie für Kinder: Die Therapien nach Bobath und Vojta

Ob die Entwicklung eines Kindes auch tatsächlich normal verläuft, kann nur eine erfahrene Kinderärztin / ein erfahrener Kinderarzt beurteilen. Daher sind die nach Altersstufen geplanten Vorsorgeuntersuchungen so wichtig einzuhalten. Diese spezialisierten Mediziner können frühzeitig erkennen, ob sich eventuell eine Entwicklungsstörung entwickelt. 

Obwohl, zum Glück, die meisten Kinder gesund zur Welt kommen, beobachtet man als Therapeut/in  häufig Unsicherheiten im Handling oder ungünstige Lagerungssituationen, die sich nicht selten zu einer Beeinträchtigung / Hemmung der normalen frühkindlichen Entwicklung führen kann (z.B. Asymmetrie, Überstreckung, Kopfabflachung, …).

Eine früh-ausgestellte physiotherapeutische Verordnung vom Kinderarzt für ein Baby oder Kleinkind verhindert somit, dass geringe Auffälligkeiten / Abweichungen (vor allem im motorischen oder sensorischen Bereich) zu größeren Beeinträchtigungen führen.

Bei Kindern, die mit einer Behinderung zur Welt kommen, ist deren Wochenplan meist von unterschiedlichsten Therapieeinheiten (Physio-, Ergo-, Logotherapie) ein Leben lang gefüllt. Als erstes wird bei neurologischen Befunden immer die Physiotherapie verordnet. Diese Therapie hilft dem Kind dabei, motorische Fehlentwicklung soweit wie möglich zu regulieren.

Heute werde ich euch die zwei gängigsten Therapieformen in der Physiotherapie kurz beschreiben, damit ihr (wenn nötig) eine Vorstellung von diesen unterschiedlichen Behandlungsmethoden bekommen könnt.  

Die Mediziner schreiben „KG ZNS nach Bobath oder nach Vojta“ auf. Beide Methoden sind von der Krankenkasse anerkannt und die Kosten werden daher komplett übernommen.

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Die Therapie nach Bobath:

Das Ehepaar Bobath (Neurologe / Physiotherapeutin) hatte sich auf die Behandlung von schwer zentral-geschädigten Kindern mit Bewegungsstörungen spezialisiert. Dabei kamen sie gemeinsam auf die Erkenntnis, dass man natürliche Bewegungen auch bei körperlich behinderten Kindern durch die Reizung der Körpersinne anbahnen und verbessern kann. 

In der „aktiven“ Bobath-Therapie nutzt man den Weg für alle therapiebedürftigen Kinder über die „Körperwahrnehmung“ zum Gehirn: also über die Haut (taktil), über die Gelenke (Druck, Zug, Vibration) und über den Gleichgewichtssinn.

Dies musst du dir so vorstellen: 

Die Therapeuten versuchen über verschiedene spielerische und alltagsähnliche Handlingsgriffe stets die Eigenaktivität des Kindes und somit natürliche Bewegungsmuster zu erreichen. Sie sind ganz nahe am Kind, bewegen das Kind, beobachten und fordern über bestimmte Schlüsselpunkte mehr oder weniger die Muskelspannung in der Bewegung vom Kind ein. Dabei reguliert sich das Kind ständig mit seiner Aufrichtung in den verschiedenen Positionen gegen die Schwerkraft. 

Das motorische Können wir in jeder Therapieeinheit qualitativ in der Bewegung weiter verbessert. Die Therapeuten erarbeiten dann auch weiter den nächsten - zu erlernenden Motorikschritt zusammen mit dem Kind (erst passiv, dann aktiv). Das Kind bekommt somit eine Idee, wie dieser erreicht werden kann. Diese erarbeiteten Bewegungsmuster  werden dann nach mehreren Wiederholungen vom Kind „bewusst“ übernommen. Alle gelernten und selbsterfahrenen Bewegungsabläufe und Sinneseindrücke in dieser Therapie werden im Gehirn „programmiert“ (vernetzt).

Diese (Bewegungs-)Therapie ist daher auch besonders gut für eine optimale Gehirnreifung: 

Bobath = „Therapie für Körper, Geist und Seele“ und ganz viel Bewegungsfreude für's Kind!  Kompetente Elternanleitung im Handling für den Alltag inklusive!!!


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Die Therapie nach Vojta:

Diese Therapie wurde von dem Neurologen Vojta entwickelt und basiert auf dem Prinzip reflektorischer Anbahnung von Haltungs- und Bewegungsmustern. Dabei wird mit gezielten Muskeldehnungsreizen gearbeitet.

Dies musst du dir so vorstellen: 

Die Vojta-Therapeuten behandeln das Kind „passiv“ in einer bestimmten, fixierten Position - auf dem Rücken, auf der Seite oder auf dem Bauch. Über verschiedene, anhaltende sogenannte „Triggerpunkte“, welche die Therapeuten am Kind drücken, werden die motorischen Grundmuster der Beugung, der Drehung und der Streckung stimuliert, bzw. angebahnt. So kommt es zu einer intensiven Anspannung der entsprechenden Muskulatur als Reaktion auf eine gezielte Reflexauslösung. 

Das heißt, dass das Kind keine willkürliche Bewegung ausführt, sondern dass das Gehirn auf diese Reize mit entsprechenden Impulsen (Reflex-Umdrehen und Reflex-Kriechen) reagiert.

Für ein Kind ist dieses „Festgehaltenwerden“ von einem fremden Therapeuten ohne Bewegungsfreiheit sehr ungewohnt und sicherlich unangenehm. Viele Kinder weinen auch dabei und auch die Eltern empfinden aus Sympathie zu ihrem Kind diese Situation als äußerst stressig. 

Die Eltern sollten für einen guten Behandlungserfolg auch zu Hause mehrere Male am Tag diese Übungen wiederholen. Das belastet natürlich die Eltern-Kind-Bindung! Von Anfang an werden die Eltern (meist die Mütter) einen konsequent-durchgeplanten Therapieplan durchhalten müssen. Dazu werden sie von ihrem Therapeuten kompetent angelernt. Das Kind wird sich mit der Zeit immer besser an die Übungen gewöhnen und diese akzeptieren.

Diese Therapie ist längerfristig angelegt und die Vojta-Therapeuten sollten die Eltern des Patientenkindes kontinuierlich betreuen und weiter anlernen. Sie erstellen einen individuellen Behandlungsplan und passen diesen im Laufe der Zeit individuell den Entwicklungsschritten des Kindes an. 

Fazit:

Die Bobath-Therapeuten arbeiteten spielerisch „mit“ dem Kind in Bewegung! Die Vojta-Therapeuten arbeiten in verschieden fixierten Ausgangsstellungen „am“ Kind ohne Bewegung!

Beide Therapieformen führen effektiv zum Therapieziel, aber auf unterschiedliche Weise.

Aus meiner Erfahrung lassen sich alle frühkindlichen motorischen Probleme sehr gut nach Bobath behandeln (üblich auch in der Therapie von Erwachsenen, z.B. nach Schlaganfall). Vojta-Therapien werden von geringen bis auch zu schwerst-körperlichen Behinderungen eingesetzt.

Besprecht am besten alles genau mit den Kinderärzten, wo sie die therapeutischen Schwerpunkte setzen möchten.

Gute Therapieauswahl/- bzw. Erfolge, wünscht euch Meike 😉

Hier geht es zu passenden Themen:

Wichtige ärztliche Vorsorgeuntersuchungen: Von der U1 bis zu J2

Handling: Wieviel Unterstützung und Förderung braucht mein Kind?

Teil 1: Der tägliche Umgang mit dem Kind – „Das HANDLING“


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1 Kommentar
2019-04-04T18:01:58Z
  • Donnerstag, 04.04.2019 um 20:01 Uhr
danke, das ist sehr gut erklärt!

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    😄