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Tipps vom Physiocoach Meike

Ist mein Kind Rechtshänder oder (doch) Linkshänder?!


Ob ein Kind eher die rechte, oder die linke Hand mehr nutzt, steht eigentlich schon bei der Geburt fest! Nur wissen wir es dann natürlich noch nicht!

Babys kommen mit einer angeborenen Bewegungsfreude auf die Welt. Sie „erarbeiten“ sich in ihrem immer geschickter werdenden Handspiel mit der Zeit eine „Lieblingshand“ (=dominante Hand). Diese wird als funktionelle „Arbeitshand“ in der Feinmotorik eingesetzt und die andere Hand wird eher als Haltehand genutzt. Es benötigt viel Zeit und Übung für ein kleines Kind, bis dieser feinmotorische Reifeprozess im kindlichen Gehirn verinnerlicht ist und das Kind sicher und kompetent in seinen Handfertigkeiten wird. Bis man klar von einer deutlichen Händigkeit sprechen kann, braucht es ca. 4-6 Jahre.

Gründe für die Wahl der Händigkeit!?

  • Bei den Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft erkennt man, dass schon im Mutterleib das Ungeborene vermehrt mit einer Hand hantiert und diese öfters zum Mund führt.
  • Weitere Untersuchungen zeigen: Linkshänder haben nicht selten auch linkshändige Eltern oder Großeltern!!! Man nimmt deshalb an, dass es sich hierbei um eine erbliche Veranlagung handeln könnte?!
  • Kinder lernen durch Nachahmung alltäglicher Tätigkeiten von ihren Bezugspersonen. Man geht von einer erheblichen Dunkelziffer von „eigentlichen Linkshändern“ aus, da in einer rechtshändig-dominierten Gesellschaft einige Kinder die „richtige“ (rechte) Seite „anerzogen oder umgeschult“ bekommen.

Wissenschaftlich entscheidend ist, in welcher Gehirnhälfte sich das Bewegungszentrum für die „dominante Hand“ (= überwiegend gebrauchte Arbeitshand) befindet. Bei Rechtshändern ist dieses Zentrum für Motorik / Feinmotorik in der linken Gehirnhälfte veranlagt und steuert koordinativ die gegenüberliegende rechte Körperseite. Bei ca. 10-15 Prozent aller Menschen liegt es dagegen in der rechten Hälfte des Gehirns – den Linkshändern.



Dies solltest du beachten!!!

Du solltest also möglichst nicht in diese wichtigen Lernprozesse, beim Hantieren deines Kindes eingreifen. Umschulungsversuche führen zu gravierenden Problemen in der Hand- und Körperkoordination. Denn dabei wird die Gehirnhälfte mit dem Bewegungszentrum für die dominante Hand gehemmt, die andere hingegen überfordert. Umgeschulte Linkshänder müssen daher immer viel angestrengter „umdenken“ und sind daher schneller unkonzentriert und nicht so schnell in ihrem Tun (z.B. Mitschreiben in der Schule). Hier kann also ein „Handicap“ entstehen, welches ein Leben lang diesen Menschen stören, bzw. hemmen wird.

Interessante Infos:

Heutzutage weiß man, dass die Auswahl der dominanten Hand nichts über die motorischen, noch über die geistigen Fähigkeiten eines Menschen aussagt. Die Gefahr ist allerdings bei den Kindern mit Linkshändigkeit, dass sie nicht richtig unterstützt werden, seltener korrekte Hilfsmittel für Linkshänder zur Verfügung gestellt bekommen (z.B. Schere, Stifte / Füller, Haushaltsutensilien,…) und sie sich durch das Nachahmen der Erwachsenen-Rechtshänder, die rechte Hand ebenfalls feinmotorisch annähernd gut antrainieren.
Eine klare, eindeutige Händigkeit innerhalb des eigenen Körperschemas (= Körperbild von sich selbst!) ist allerdings immer ratsam! Denn die dominante Hand hat gegenüber der anderen Hand den Vorteil, dass sie genauere Bewegungen mit geringerem physiologischen Kosten ausführen kann. Die nicht-dominante Hand hat grundsätzlich eine längere (sensomotorische) Reaktionszeit als die „Lieblingshand“. Daher ist eine Umschulung eines Linkshänders auf die rechte „feine oder richtige“ Hand ein sehr hoher Aufwand und immer wieder eine Herausforderung bei der Ausführung von manuellen Tätigkeiten.

Weitere Tipps für das Erlernen einer klaren Händigkeit deines Kindes:

  • Überlasse deinem Kind das selbstständige Hantieren. In der Entwicklung der Handmotorik bauen viele verschiedene Griffarten und Handfunktionen aufeinander auf, welche vor allem in den beiden ersten Lebensjahren von deinem Kind „erarbeitet“ werden müssen! Biete dazu gute Spielsachen mit verschiedensten Spürinformationen an.
  • Bitte gebe Spielmaterialien oder anderen Gegenständen nicht immer nur in eine Hand an. Versuche es mittig deinem Kind anzureichen.
  • Ebenfalls bei Gebrauchsgegenständen, z.B. bei Besteck oder Malstiften, könntest du versuchen, diese immer möglichst (neutral) mittig vor deinem Kind zu positionieren. Wenn beide Händchen den gleichen Abstand nach vorne zum Greifen des Objekts haben, wird die schnellere / geschicktere Hand eher agieren.
  • Versuche auch mal deine linke Hand im Alltag mehr zu benutzen. Auch im Handling solltest du von Geburt an deinem Kind beide Seiten anbieten. Zum Beispiel: Tragen des Neugeborenen auf beiden Armen, Hochnehmen und Ablegen über links und rechts, beim Anziehen / Ausziehen, Ansprache von beiden Seiten, Seitlagerung in wachen Momenten,…). So werden von Anfang an schon beide Körperseiten besser wahrgenommen, bzw. gekräftigt.

Fazit: Beobachte hin und wieder dein Kind bei seinen verschiedenen Handspielen. Achte rechtzeitig darauf, welche Hand es dabei am liebsten nimmt und erziehe es keinesfalls um! Unterstütze es in seiner individuellen Handmotorik (s. Tipps oben!). Wenn es das linke Händchen bevorzugt, bespreche dies auch bei den Vorsorgeterminen bei eurem Kinderarzt. Bei den Untersuchungen wird er einige koordinative Tests zusätzlich durchführen, die eine klare Zuordnung der Händigkeit im Laufe des Kleinkindalters bestätigen werden.

Viel Spaß beim Spielen und Lernen, eure Meike 😊

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HANDLING: So lernt dein Baby alleine zu essen!

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