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Tipps vom Physiocoach Meike

HANDLING: So lernt dein Baby alleine zu essen!

Kinder erlernen das Essen so ähnlich wie das Sprechen: durch Zuschauen, Nachahmen und Selbermachen! Jedes Kind hat dabei sein eigenes Lerntempo, wie so häufig in der Gesamtmotorik und bei der Wahrnehmungsverarbeitung. 

„Selber zu essen“ erfordert für ein Kind eine hochkomplizierte und koordinativ-schwierige Handfertigkeit. Bewusst nach Essen zu greifen oder durch Besteck aufzunehmen, dieses dann mit einer koordinativen Drehbewegung im Arm und in der Hand zielgenau zum Mund zu bringen, erfordert deinem Kind einer der ersten feinmotorischen Bewegungsabfolgen ab. Kinder brauchen in dieser langfristigen Lernphase genügend Zeit sich darin zu üben, alles selbst zu erfahren und auszuprobieren.

In diesem Expertenrat möchte ich keine allgemeinen Ernährungstipps und Alltagstipps für den Familientisch geben, sondern wichtige Informationen über diese „Hand-Augen-Mund-Koordination“ zu diesem Thema aus physiotherapeutischer Sicht weitergeben.

Wann und wie lernt mein Kind das selbstständige Essen (individuell variabel!)? 

  • Die Hände sind die natürlichen Hilfsmittel, die zur Verfügung stehen, um selbstständig das Essen zu lernen. Dein Kind versucht von Geburt an die Handmotorik immer mehr koordinativ zu gebrauchen. Verschiedenste Handgriffe werden chronologisch erlernt – vom einfachen Faustgriff, zum feinen Pinzettengriff und später bis zum funktionalen Griff mit Besteck. Fingerspiele, Klatschspiele und verschiedenste Nachfühl-Spielzeuge helfen deinem Kind vorab schon beim Üben von  „Handgeschicklichkeiten“.
  • Mit ca. 5-6 Monaten: Es lernt über das Riechen, das Schmecken und das Fühlen die verschiedenen Lebensmittel kennen. Nur durch Matschen, Kleckern und Spucken  lernen die Babys mit allen Sinnen. Dieser Lernprozess sollte nicht durch ständiges Abwischen und Mundsäubern unterbrochen werden, denn es stört den komplexen Handlungsablauf und die Selbstwahrnehmung des Mundbereiches. 
Die Zuhilfenahme der Hände beim Essen hört bei Kindern erst mit ca. 3-4 Jahren auf. 

  • Nach den ersten wichtigen „Fingerfood-Erfahrungen“ (mit greifbaren Nahrungsmitteln) kannst du nun auch mit einem kindgerechten Löffel flüssigere Nahrung, wie z.B. Breie, füttern. Frühestens ab dem 6. Lebensmonat ist ein Baby motorisch in der Lage vom Löffel zu essen. Der sogenannte „Zungenstreckreflex“ schiebt zu Anfang den Brei direkt wieder aus dem Mund.  
Tipp: Versuche es nach ein paar Tagen einfach wieder! Bald schon kann es mit der Beikost losgehen. 😊

  • Zwischen 12-15 Monaten beginnt dein Kind dann mit einem kindgerechten, flexiblen Löffel selbstständig zu essen (= geringste Verletzungsgefahr; es wird zwischendurch aber immer wieder seine Händchen zur Hilfe nehmen!). 

Tipp für dich: Dabei den Löffel nicht führen, sondern nur Hilfe zur Selbsthilfe geben! Damit die Mahlzeit nicht ewig braucht, kannst du mit einem zweiten Löffel parallel helfen! Probiere es mit einem Ess-Lernlöffel aus: z.B. Dr. Boehm`s “Flexy” Löffel (= superweicher Schluck-Löffel)

  • Mit einer Kinder-Gabel (also eher stumpf) schaffen viele Kinder schon oft sehr früh zu essen. Das Aufspießen der Nahrung gelingt so mit ca. 30-36 Monaten.
  • Geschicktes Essen mit Löffel, Gabel und Messer können die meisten Kinder mit ca.  fünf Jahren recht gut (variabel 4-6 Jahre). 
Ein feinmotorischer Lernprozess: Erste Messerübungen, beispielsweise das Schneiden einer Banane oder das Schmieren eines Brotes (meist mit ca. 16 Monaten) bis hin zum koordinativ „richtigen Messergriff mit Gabeleinsatz“, benötigt viele Trainingseinheiten.

  • Überlasse deinem Kind von Anfang an, welche geschicktere Hand zum Essen und Trinken benutzt wird! Mittlerweile wissen die meisten Eltern, dass man seinem Kind diese Entscheidung der Händigkeit überlassen sollte. Die Entwicklung dieser komplizierten Rechts- /Links- Gehirnverknüpfungen sollten die Erwachsenen nicht diktieren. Welche Hand die „dominante Hand“ wird, ist meist erst mit ca. 4-6 Jahren klar zuzuordnen! 

Das Trinkenlernen (ebenfalls individuell variabel)

Erster Handkontakt an der Flasche schon nach ein paar Wochen.

Mit 5-6 Monaten hält es schon alleine die Flasche mit beiden Händen.

Mit ca. 9 Monaten versucht es mit Hilfe eine Tasse oder Becher zum Mund zu führen.

Mit ca. 18 Monaten kann es alleine daraus trinken.

  • Zu Beginn: Kleinen Kindern gelingt es gut aus kleinen Plastik- (Schnaps-) Gläsern oder ein Teelichterglas mit dickem Rand zu trinken.
  • Allgemein: Kleinkinder können geschickter aus durchsichtigen Bechern bzw. Schnabeltassen trinken.
  • Strohhalmtrinken klappt mit ca. 3 Jahren gut (fördernde Kräftigung des Mundraumes)

Rat von Ernährungsexperten: Kinder sollten ab Beikost immer zu den Mahlzeiten etwas  trinken (Wasser!)!

Allgemeine Handling-Tipps für den Familientisch 

Du entscheidest wann, wie und was für Speisen auf den Tisch kommen. Gemeinsam versucht ihr die motorischen Handfertigkeiten immer weiter zu verbessern. 

Dazu wählst du für dein Kind passendes Besteck und Geschirr aus (sicher, kindgerecht je nach Fähigkeiten!?). Ein großes Lätzchen mit Ärmeln und ein wischbarer Untergrund schützen die Kleidung und den Fußboden, wenn mal etwas danebengeht. 

Anfangs hilft es deinem Kind sicherlich, wenn du den Bewegungsablauf einige Male mit ihm / ihr durchgehst. Führe dabei die Hand deines Kindes, die den Löffel hält, vom Aufnehmen der Beikost bis zum Mund und wiederhole das immer wieder. So kann es „nachspüren“ wie der Essvorgang alleine klappen kann. 

Berühre mit dem Löffel die Oberlippe, denn dann wird dein Kind den Mund öffnen. Das Schlucken fällt den Essanfängern leichter, wenn der Löffel gut gefüllt ist. 

Dein Kind liebt es bald schon, „alleine“ bei der Nahrungsaufnahme zu experimentieren! Es ist für dein Kleines ein Bedürfnis alles selber zu probieren. Beobachte dein Kind dabei und ermutige es, Neues zu kosten oder auch zu fühlen. Essen hat was mit Neugier und Freude zu tun. 

Daher: Lobe auch kleine Fortschritte und motiviere es in seinem / ihrem Tun! Sei ein positives Vorbild am Esstisch! Sei stets bereit zu helfen, wenn es dich braucht. ✌

Vorsicht: Lasse es bitte nicht alleine, denn die Verschluckungsgefahr ist bei den Kleinen sehr hoch (Rat: Ein „Erster-Hilfe-Kurs“ ist sehr empfehlenswert!)!

Nicht zu vergessen: „Die Sitzposition“ beim Essen und Trinken!

Die meisten Eltern beginnen mit dem gehaltenen Sitz auf dem Schoß. Das Kind fühlt sich so geborgen und es hat einen guten Halt. Genauso gut kann man aber auch in der Babysitzschale oder Wippenaufsatz (vom Hochstuhl) füttern. Der Vorteil hier ist, dass das Kind von vorne mit Blickkontakt gefüttert wird (in seiner Symmetrie / Körpermitte).

Ab ca. 9-10 Monaten ist der Sitz eines Kindes meist stabil und aktiv genug, um längere gemeinsame Mahlzeiten im Kreise der Familie in einem aufrechten Hochstuhl mitzumachen (s. hier: Wann darf ich mein Baby in den Hochstuhl setzen?).  

Bis dein Kind „sauber und ordentlich“ am Esstisch essen und trinken kann, braucht es in seinem Lerntempo genügend Zeit!  

Nun weißt du auch, dass dieser „natürliche Lernprozess beim selbstständigen Essen und Trinken lernen“ von deinem Kind nach seinen Bedürfnissen „ausgelebt“ werden sollte – ohne Zwang und Frustration.   

Auch dein Kind wird die eigene Feinmotorik immer mehr verbessern und das Essen und Trinken lernen – im individuellen Lerntempo!!! 

Viel Freude dabei & stets einen guten Appetit, wünscht euch Meike 🙋

Hier geht es zu passenden Themen:

Wann darf mein Kind sitzen?

Kann ich das Entwicklungstempo meines Kindes beschleunigen?

Teil 1: Der tägliche Umgang mit dem Kind – „Das Handling“

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