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Tipps vom Physiocoach Meike

Gangauffälligkeit: Mein Kind geht auf den Fußspitzen

In der letzten Woche habe ich für die Firma BabyOne als deren PhysioCoach eine Instagram-Sprechstunde gegeben (Video s. facebook BabyOne). Dabei durfte ich als Kinder-Physiotherapeutin und selbstständige Handlings- und Trageberaterin („fit4handling“) zahlreiche Fragen live beantworten und unterstützende Tipps geben.

Die Themen „Drehen – Krabbeln – Sitzen – Laufen“ sind nach wie vor die Meilensteine, die euch als Eltern am meisten interessieren. Einige Fragen kamen diesmal auch zum Thema „vermehrter Zehenspitzenstand in der Lauflernphase (teilweise auch länger!)“ auf.

Daher möchte ich diesmal gerne etwas zu dieser besonderen Gangauffälligkeit schreiben.

Die meisten Kinder lernen die ersten Schritte zu gehen zwischen ihrem 13. und 15. Lebensmonat. Wann ein Kind mit dem Laufen beginnt, hängt in erster Linie davon ab, wie schnell die Funktion dieses Motorikschrittes im Gehirn (durch ausgiebiges, selbstständiges Training) ausgereift ist. 

Dieses „korrekte Bewegungsmuster - Laufen“ fällt einem Kind umso leichter, je besser (meist auch länger!) sich sein Gleichgewichtssinn und seine körperlichen Koordinationen in den vorherigen Motorikvorstufen (Vierfüßler, Einbeinkniestand, vor allem im Stand usw.) dafür entwickeln konnten. 

Zu diesen so wichtigen Vorstufen in der Motorikentwicklung, habe ich schon Expertenrat-Beiträge geschrieben. Schau dir bitte dazu die Verlinkungen unter dieser Seite an!

Wichtig für eine gesunde Fußentwicklung: Der Abbau des Fußgreifreflexes

Der „angeborene Fußgreifreflex“ wird ausgelöst, in dem man Druck unter den Zehenballen (vorderes Quergewölbe) des Füßchens gibt. Das Kind krallt als motorische Antwort die Zehen. Beim Lösen des Druckes spreizt es die Zehen.

Dieser Reflex muss bei Laufbeginn abgebaut sein, denn sonst verhindert er bei Belastung die Entfaltung der Zehen (bzw. des ganzen Fußes). Das Kind kann sonst nicht richtig abrollen. 

In der normalen motorischen Entwicklung schafft ein Kind es, seine Füße im Spiel und bei seinen ersten Fortbewegungsmöglichkeiten (z.B. Krabbeln, Kniestand, Bärengang, …)  schon teilbelastend – oft über die Zehen mit lang-gedehntem Fuß abdrückend - einzusetzen. 

So bekommen die Fußsohlen eine gute Vorübung für die spätere Vollbelastung ohne Zehenkrallen. Der Reflex wird dadurch ganz von alleine (beim gesunden Kind in Bewegung) ab dem 6. Lebensmonat langsam abgeschwächt. Eine wichtige Übungsphase der Füße für die Aufrichtung in den Stand und weiter bis zum motorisch-anspruchsvollen Laufen!!! 

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Alle Kinder stehen zu Anfang auch mal auf den Zehenspitzen (!), denn so holen sie sich die nötige Aufrichtung über ihre gesamte Streckmuskulatur gegen die Schwerkraft. Es hilft dem Kind sich längere Zeit besser zu halten. Doch zunehmend sollte sich diese Körperspannung langsam lösen und die ganzen Fußsohlen sollten ein stabiles, (re)aktives Fundament bilden.   

Tipp für dein Handling mit deinem Kind in der Lauflernzeit:

In dieser Zeit sollte dein Kind viel barfuß laufen, um seine Füße samt Ferse deutlich zu spüren und zu trainieren. Je vielfältiger und variabler der Untergrund in den Teilbelastungszeiten ist, umso größer ist der Trainingseffekt für die Wahrnehmung, den Muskelaufbau und den Abbau des Fußgreifreflexes.

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Irritationen für das Erlernen einer gesunden Fußmotorik 😔

Leider „fördern“ Eltern oft schon viel zu früh mit ihrem Kind das Gehen, indem sie es an beiden hochgezogenen Händen oder unter den Achseln führend (hinter dem Kind hergehend) aktivieren wollen. Dies ist jedoch ein sehr irritierender Eingriff in das eigene Lern-Laufmuster! Das Kind bekommt dadurch viel Körperkontrolle / Körpergewicht abgenommen und die Füße „arbeiten“ dabei anders als gewöhnlich, um in diese koordinierte Vorwärtsbewegung kommen zu können. Die komplette Körperstatik (von den Fußgelenken bis hoch zu Wirbelsäule) wird nicht auf natürlichem Weg aktiv (kontrolliert) aufeinander aufgebaut. Dadurch können Fußfehlstellungen mit falschem Abrollvorgang entstehen.

In diesem Zusammenhang möchte ich nochmals den „Gehfrei“ und den „Türhopser“ ansprechen, die ebenfalls keine natürlich-ablaufende Fußarbeit vorbereiten, sondern dem Kind  eine ungesunde Vorfußbelastung/-Wahrnehmung „bescheren“. Diese vermeintlich lieb gemeinten Hilfen haben allgemein negative Auswirkungen in der sensomotorischen Entwicklung eines Kindes auf dem aktiven Weg in die Aufrichtung auf die Füße. Das zu frühe Aufrichten, unterbricht den „chronologischen Motorikweg des selbstständigen Aufrichtens auf die Füße“.   

Nur eine langfristige Physiotherapie kann hier diese „falsch-erlernten Bewegungsmuster“ auf dem Weg vom Stand ins Laufen nachträglich verbessern.

Manche Kinder haben so eine sensible, nicht im Gehirn präsente Fußsohle, dass sie den ganzen Fuß nicht richtig bewusst aufsetzen wollen! Sie „tänzeln“ förmlich nur auf ihrem Fußspitzen umher. Ein physiologischer Gang ist somit nicht möglich! 😧

Wenn ältere Kinder den Fußspitzengang weiter zeigen, habe ich aus beruflicher Ausbildung und in zahlreihen Weiterbildungen erfahren, dass dies häufig zwei Gründe hat: 

1. Orthopädische Ursache: Eine Problematik der Wadenmuskulatur ( Verspannungen/ Verdickungen), einhergehend mit der Verkürzung der Achillessehne. Folglich bringt dies weitere Haltungsprobleme /Gelenkfehlstellungen mit sich (= Füße bilden die Basis für eine gute Statik!!!) 

2. Psychologische Ursache: Zehenspitzenlauf, um sich größer und präsenter zu machen! Das Gangbild wirkt wippend und auffällig (auf Dauer sicherlich ein orthopädisches Problem).

Allgemeiner Tipp zum häufigen Fußspitzenlauf: 

Diese Gangauffälligkeit solltet ihr immer mit einem Kinderarzt / Kinderorthopäden abklären lassen. Sie wissen nach der Befundung genau, welche Therapien notwendig sind!  

Alles Gute für den Weg gut „auf die eigenen Füße zu kommen“ eure Meike 🙋 von fit4handling

Hier geht es zu passenden Themen:

Wann läuft mein Baby endlich?

Das solltest du über „die Fuß- und Beinachsenentwicklung“ deines Kindes wissen!

Teil 1: Der motorische Weg zum Stehen – „Das Hochziehen“- einschließlich Rückweg

Teil 4: Der motorische Weg zum freien, selbstständigen Laufenlernen: „Bärengang – freier Stand – erste Schritte“

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2 Kommentare
2019-08-16T08:01:50Z
  • Freitag, 16.08.2019 um 10:01 Uhr

Hallo,


also unsere Kleinste hat auch vor kurzem angefangen zu laufen und bei ihr ist es tatsächlich genauso. Sie kann definitiv auch “normal” laufen, aber meistens sind das nur ein paar Schritte. Achja und wenn sie steht, dann steht sie auch normal auf der ganzen Sohle. Bisher hab ich noch nicht das Gefühl gehabt, mit ihr deswegen zum Arzt gehen zu müssen, aber dein Artikel ermutigt mich dazu. :)

Danke!! 

2019-08-16T12:22:45Z
  • Freitag, 16.08.2019 um 14:22 Uhr
Hallo Ziskas,


das hört sich doch alles ganz normal an 👍!!!

Deine Kleinste hat gerade das Laufen gelernt, steht auf den ganzen Fußsohlen (sicherlich auch schon seit dem Hochziehtraining) und läuft ein paar Schritte ganz normal. "Zwischendurch" gehen die Kinder immer wieder mal gerne auf die Zehenspitzen. Das habe ich auch so im Beitrag geschrieben (s. unter den drei Fotos).

Wenn du weiter so aufmerksam bleibst und dein Kind beobachtest, wirst du eine zunehmend verbesserte Fußwahrnehmung mehr und mehr feststellen. Also kein Grund für einen "extra Arzttermin", aber frag ihn das nächste mal bei einer U-Untersuchung diesbezüglich! 

Alles baut sich nach und nach muskulär gut auf, wenn die Kinder auch ihren ganzen Fuß miteinbeziehen in ihrer Körperwahrnehmung (Tipp: spielt mit den Füßen, massiert sie und seid kreativ mit ihnen!!!).


In meinem nächsten geplanten Expertenrat, geht es genau um dieses Thema (Nach der Lauflernphase: So wird dein Kind beim Laufen immer sicherer). Es würde mich freuen, wenn du vielleicht diesen Beitrag auch lesen würdest! 


Alles Gute für euch, Meike 🙋

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