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Tipps vom Hebammennetzwerk

Pucken aus Hebammensicht – ist es hilfreich oder schadet es gar dem Kind?

Von Hebamme Britta

Zu diesem Artikel habe ich viel im Internet recherchiert und ich muss sagen: Ich bin geschockt. Weniger über die unterschiedlichen Meinungen zu diesem bei jungen Eltern heiß diskutierten Thema, sondern über die zum Teil heftigen Aussagen wie z.B.: „Pucken kommt der Folterung von Guantánamo gleich!“

Ich versuche hiermit als Hebamme und Mutter meine Meinung aufzuzeigen, ohne damit dogmatisch
zu klingen.

Zunächst einmal ein paar Fakten:
Als Pucken bezeichnet man eine Wickeltechnik, bei der das Baby in ein Tuch gewickelt wird, um dem Neugeborenen Halt und das Gefühl des Mutterleibes zurückzugeben, in dem es so lange sicher und geborgen war.

Schon ca. 100 n. Chr. wurden Neugeborene mit langen Stoffbändern eng umwickelt, um dem Körper Halt zu geben. Damals und noch bis in das 19. Jahrhundert hinein dachte man, der Körper des Babys sei zu weich und müsse durch diese Art des Wickelns „geformt“ werden.

Diese Denkweise entspricht natürlich absolut nicht dem heutigen Grundgedanken des Puckens, aber eben durch diese enge Art des Einwickelns entstehen gerade die Gegenargumente zum Pucken.

Es ist erwiesen, dass das Pucken dem Neugeborenen das Gefühl des Mutterleibs und seiner Grenzen zurückgibt, damit auch Geborgenheit. Ein Gefühl des „Umgebenseins“.

Es ist natürlich nicht notwendig, alle Kinder zu pucken. Wirklich gut hilft es aus meiner Sicht aber bei den unruhigen Kindern, bei denen ich das Gefühl habe, sie seien noch gar nicht richtig „angekommen“

Beim Stillen hilft es den Babys, die sich etwas schwerer mit dem Andocken an der Brust tun. Sie wollen dabei häufig noch eine oder beide Händchen mit in den Mund schieben, was zusammen mit der Brustwarze nun mal nicht funktioniert und viele Frauen finden den Umgang mit Brust und zappelnden Babyhänden sehr schwierig.

Bei unruhigen Kindern, die müde sind, aber nicht einschlafen können bzw. nicht gut in den Schlaf finden, hilft es nicht nur, Geborgenheit zu geben, sondern auch die Körperwärme zu halten. Wenn du dein gepucktes Kind in den Armen in den Schlaf wiegst und dann tief und fest schlafend ins Bettchen legst, wird es nicht automatisch wach, weil es plötzlich eine kältere Umgebungstemperatur wahrnimmt.

Ich lege die gepuckten Babys auch häufig zum Schlafen leicht auf die Seite (30 Grad-Neigung), mit einem Handtuch gerollt als Stütze im Rücken, was eine zusätzliche Grenze schafft. Wechsele mit der Schlafposition auch ruhig zwischen leichter Seiten- und Rückenlage ab. Dies beugt der Ausbildung eines flachen Hinterkopfes vor. Tagsüber im Wachzustand auch die Bauchlage, solange sich das Baby in deiner Nähe befindet – dann allerdings nicht gepuckt, sondern mit den Ärmchen nach oben.

Als Pucktücher sind dehnbare Naturstoffe geeignet wie z.B. Baumwolltücher, Moltontücher oder Jerseystoff. Es gibt sogar schon Pucktücher mit Klettverschlüssen, die das Pucken für ungeübte erleichtern. Ich bevorzuge auch das Pucken in den Stoffwindeln, da sie eine praktische Größe haben und durch ihr dünnes Material nicht zu Überwärmung beim Baby führen können. Von Fleecedecken oder gar gefütterten Material solltest du absehen, da dies wirklich schnell zu Überwärmung führt.

Beim Pucken achte ich auch immer darauf, dass ich die Ärmchen an den Körper oder auf den Brustkorb lege und dem Kind dadurch Halt gebe, die Hüfte bzw. die Beinchen lasse ich ungewickelt, so beugt man dem Gegenargument vor, pucken würde die Hüfte in ihrer Bewegung beschränken.

Lass dir von deiner Hebamme das Pucken zeigen. Zum Üben kannst du es auch erst an Puppe oder Kuscheltier probieren. Gute Anleitungen zum richtigen Pucken findest du zum Beispiel in folgendem Video:


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